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American Honey (Shia LeBeouf, Sasha Lane, Riley Keough)

Gestartet: 17 Aug 2016 17:03 - 2 Antworten

#1
Geschrieben: 17 Aug 2016 17:03

agentsands

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Der Gewinner des Jurypreises von Cannes ist ein klassisches Indie-Roadmovie von Andrea Arnold (Drehbuch und Regie)
Release: 30.09.2016


Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=d0I6rj0DwGY&feature=youtu.be

agentsands


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#2
Geschrieben: 02 Jan 2017 19:30

hibb

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Ein Film über eine Horde junger Außenseiter, die nur ihren Platz in der Gesellschaft suchen und sich nach Zugehörigkeit sehnen. Ein Coming-of-Age Roadmovie mit einer Unzahl großartiger Momente: Trauer, Verzweiflung und Glückseligkeit wechseln sich fast schon in hypnotischer Weise ab, weisen aber auch darauf hin, dass kein Gefühl unendlich währt. Andrea Arnolds neuer Film demonstriert vielmehr die Lebensweise einer Randgruppe, als eine klassische Geschichte zu erzählen und ist genau deshalb so ein Fest. Die knapp 3 Stunden Laufzeit haben nahezu kein Gramm zu viel auf den Rippen und veranschaulichen wie gute Charakterzeichnung und starke Einzelszenen einen Film auch tragen können.

Hier wird die Realität abgebildet und nichts zwecks einer spannenden Inszenierung dramatisiert oder übertrieben. Der realistische Ansatz hilft ungemein und mit den Figuren warm zu werden. Keine bildhübschen Posterboys und weibliches Eye Candy sollen beim Zuschauer Sympathien erzwingen, dies wird allein durch natürlich-wirkende Figuren und Anteil an ihrer Situation erreicht.

Wiederkehrende Elemente wie laute Hip-Hop Mukke (welche nicht gedubbed sondern real abgespielt wird), Gruppenrituale wie Kämpfe, Tanzen und Singen dienen hier nicht nur als Ausdruck von Freude und Gück, sondern funktionieren auch als Ventil um sich den alltäglichen Frust zu entledigen. Wenn Rihanna‘s We Found Love erklingt und alle dazu spontan abdrehen, wird deutlich wie sehr sich die Charaktere nach einem kurzzeitigen Ausweg aus ihrem Leben sehnen (was bei Außenstehenden nur zu Unverständnis und Abneigung führt). So sind es gerade diese Momente die eine schizophrene Melancholie entfalten, da sie glücklich und traurig zugleich stimmen. Hier erleben wir ein Kollektiv von Außenseitern, die auch nur noch Geborgenheit und Zugehörigkeit streben. Diese Gefühle scheinen ihnen nur innerhalb dieser Gruppe gegönnt zu sein. Nach außen werden sie als Jugend ohne Zukunft wenig bis gar nicht ernst genommen.

Die relativ lange Laufzeit wird aber nicht nur für Charakterisierung und –entwicklung genutzt, sondern dient auch dafür einen Querschnitt durch die amerikanische Wohlstandsschicht zu ziehen. So trifft die weibliche Hauptfigur auf zahlreiche Personen aus der gehobenen Mittelschicht, anhand dieser Begegnungen wird das soziale Klassensystem verdeutlicht: Manche Personen reagieren mit Mitleid und möchten sie unterstützen, andere hingegen wollen mit ihr nichts zu tun haben oder ihre Lage für sich ausnutzen. So richtig zugehörig fühlt sich keiner außerhalb der Gruppe, einen schnellen Ausweg aus dieser Situation scheint es nicht zu geben. Liebe und Anerkennung ist nur innerhalb ihres Kollektivs möglich. Da wiegen Vertrauensbrüche und Enttäuschungen umso schwerer, wenn die einzigen Vertrauten sich voneinander abwenden.

Auch wenn inhaltlich nicht viel passiert, erreicht die Reise eine gewisse Epik und kann als eine Selbstfindungssuche verstanden werden. Die Hauptfigur versucht nur ihren Platz in einer schnelllebigen Welt zu finden, muss Rückschläge verkraften und macht deshalb eine glaubwürdige Entwicklung durch. Als Zuschauer drückt man ihr wirklich die Daumen und wünscht ihr, dass sie ihr ihr persönliches Glück findet.

Das Ganze wird in tolle Bilder gefangen, mit Indy-typischer Handkamera im eher seltenen 4:3-Bildformat. Ähnlich wie bei Xavier Dolans großartigen Mommy wird hier das Format dafür genutzt um immer die Figuren im Zentrum zu behalten. Keine künstlichen Weitbildpanaromen sollen den Fokus auf das Drumherum verschieben. Das hier ist eine intime und persönliche Geschichte, die nicht mehr aus dem Leben gegriffen sein könnte.

Die schauspielerischen Leistungen wirken durch die Bank weg natürlich und besonders Sasha Lane verdient besondere Beachtung. Sie bringt den Wunsch der Hauptfigur nach Liebe, Verbundenheit und Selbstverwirklichung ausgezeichnet rüber: Was eine Entdeckung! Shia LaBeouf zeigt auch mal wieder warum er fernab irgendwelcher Eskapaden ein klasse Schauspieler sein kann. Indy-Produktionen scheinen ihm besser zu passen.

Der nüchterne Erzählstil, die kaum existente Handlung (keine Handlung ist die neue Handlung) und die verhältnismäßige lange Laufzeit wird vermutlich Einige abschrecken, aber dann verpasst man einen der einfühlsamsten und authentischsten Dramen des Jahres.

(9/10)
#3
Geschrieben: 02 Jan 2017 22:10

Bewitched240

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Mist, den hatte ich im Kino verpasst. Steht jetzt weit oben auf der Liste.


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