Geschrieben: 21 Mai 2018 13:04

Steeljunkie
Blu-ray Freak
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Hab den nun auch gesehen:
Als Riesenfan des Actionmeisters John Woo war meine Vorfreude groß als es hieß, er würde mit seinem nächsten Film zu seinen Wurzeln zurückkehren, dem Heroic Bloodshed. Manhunt heißt der Film, basiert auf einem Roman des japanischen Autors Juko Nishimura und erhielt schon ein Mal im Jahr 1976 eine Filmadaption in Japan, damals mit Ken Takakura in der Hauptrolle. Die filmische Vorlage habe ich im Vorfeld leider noch nicht sichten können, daher werde ich Woo's Remake auch als eigenständigen Film für sich bewerten und keine Vergleiche ziehen können. Wenige Minuten nach Beginn des Films, gibt es auch schon den ersten Bleiregen mit coolen Posen und schönen Slow-Mos inklusive umherfliegender, durch Kugeln zerfetzter Teilchen. Das Blut spritzt, doch leider mit reichlich CGI-Unterstützung, was hier leider etwas faden Beigeschmack lässt, da man gerade von Woo anderes, viel besseres gewohnt ist. Normalerweise gibt es reichlich Bloodpacks, alles handgemacht mit literweise Kunstblut. Hier jedoch hat man sich diesen Aufwand leider zum Großteil erspart, was sehr schade ist, denn auch die weiteren Shootouts bauen zum Großteil darauf. Kommen wir aber erst mal zur Charaktereinführung und der Story an sich.Du Qiu, gespielt vom chinesischen Star Zhang Hanyu, ist bei jener Anfangsszene bereits vorher zu sehen. Die beiden Killerinnen, gespielt von Ji-won Ha und John Woo's Tochter Angeles Woo ( die auch in einigen seiner vorherigen Filme schon zu sehen war ) verrichten ihr blutiges Werk zunächst allein. Wie die Personenkonstellationen sind, erfahren wir erst im weiteren Verlauf und dafür wird sich ordentlich Zeit gelassen.Du Qiu ist erfolgreicher Firmenanwalt, der nach einer durchzechten Nacht neben einer toten Frau in seinem Bett aufwacht, die Polizei ruft und prompt selbst verhaftet wird, da die Indizien auf ihn hindeuten. Er schafft es jedoch, seiner Verhaftung zu entgehen und flieht vom Tatort, eine Schar an Polizisten hinter sich.Nach dieser Hatz lernen wir mit dem Cop Yamura ( Masaharu Fukuyama ) die zweite Hauptfigur des Films kennen, als er in einer, doch etwas leicht gezwungen zu coolen Szene vorgestellt wird. Yamura jedenfalls versucht ebenfalls Du Qiu dingfest zu machen und fahndet nach ihm, jedoch soll er später auch der sein, der ihm Hilft, seine Weste rein zu waschen. Zu allem übel, sind Du Qiu aber bald auch noch die beiden Killerinnen auf den Fersen, die anfangs die Yakuza Gruppe zerschossen haben.Ehre, Freundschaft, Loyalität etc. sind die Rezepte, die Woo in seinen großen Klassikern nicht nur hervorragend implementiert, sondern in den Vordergrund gerückt hat. Man denke nur an die wahnsinnige Chemie und das tolle Zusammenspiel eines Chow Yun Fat mit Danny Lee in The Killer usw. Ähnliches wird hier auch versucht mit Hanyu und Fukuyama, die als ungleiches Duo, Cop und Mordverdächtiger zusammen agieren müssen, um an die wahren Hintermänner des Mordes gelangen und sich derer geschickten Scharen an Killern, insbesondere den beiden Lethal Ladies erwehren müssen. Leider, und das muss man traurigerweise sagen, entsteht zwischen den beiden zu keiner Zeit ein Ansatz von Chemie. Die Figuren bleiben total blass und das zieht sich auch beim restlichen Cast so durch. Hiroyuki Ikeuchi ( Ip Man ) ist als aufsässiger Sohn und Nachfolger des Firmeninhabers irgendwie fehlbesetzt. Einzig Yasuaki Kurata ( immer eine Freude, ihn in einem Film zu sehen! ), lieferte sich übrigens damals in Woo's Meisterwerk Hard Boiled einen atemberaubenden Shootout mit Chow Yun Fat in der berühmten Teehaus-Szene.Nicht zuletzt die schwachen Dialoge sind auch zu einem Großteil schuld daran, dass sich keine ungleiche Bruderschaft, keine Männerfreundschaft zweier auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehenden Personen zwischen den beiden Hauptfiguren einstellen will.Aufgrund der Nationalitäten der beiden Hauptdarsteller und ansonsten auch einem relativ durchgemischten Cast an japanischen und chinesischen Darstellern wird natürlich zwischen diesen beiden Sprachen hin und hergeswitcht. Kein Problem. Sobald aber die wahrlich schlechten Englischen Dialogfrasen eingeschoben werden, bekommt man es zumindest was die beiden Hauptfiguren angeht das ein oder andere Mal mit der Schamesröte zu tun. Abgesehen von der sehr begrenzten englischskills wirken die gesagten Dialoge auch noch arg unecht, fast schon trashig roboterhaft. Was zum Geier ?! Die Actionszenen lassen den John Woo Style, den man liebt, auf jeden Fall oft aufblitzen. Die Zeitlupen sehen toll aus, die Posen und Stunts ebenfalls. Es hagelt Blei, es fließt Blut - nur eben mit viel CGI Unterstützung, wie bereits erwähnt, was das Ganze dann trübt. Dennoch werden abwechslungsreiche Setpieces geboten, die sich in ihrer Größe und dem Aufwand bis zu einem gewissen Maß gut steigern können. Vom anfänglichen Shootout gegen die Yakuza, über jenen, bei dem ein komplettes Restaurant am Fluss zerschossen wird, bekommt man mit der Farmszene nach gut zweidrittel des Films die mit Abstand beste Actionszene geboten. Klasse Choreographiert, mit tollen Moves und reichlich Materialschaden. Wenn die feindlichen Killer hier auf ihren Crossmotorrädern anrücken, wächst ein Grinsen im Gesicht, erst Recht als sie mit ihren Bikes auch noch durch Fenster und Türen ins Gebäude hineinrasen und dort das Bleifeuerwerk eröffnet wird. Da kann das Finale, welches dann zu guter letzt leider völlig out of place wirkt, nicht mehr mithalten. Zwar wird auch hier nochmal ordentlich geballert, jedoch nimmt die Story hier eine sehr komische, Sci-Fi-getränkte Wendung dun ein entsprechendes Setting in den Laboratorien an, die einen leicht an Paycheck erinnern und das ist ein Einfluss, den man in einem Abgesang auf Woo's goldene Zeiten eigentlich nicht sehen will. Trotz vieler Woo-Trademarks was die Action angeht, oder auch Einsatz der berühmten weißen Tauben ( auch leider teils mit CGI ), großen Actionsetpieces, die ganz gut unterhalten können, zumindest die meisten, will sich nie die gewisse Magie einstellen, die man sich einfach von Woo's Comeback erhofft hat.Neben bereits genannten Schwächen ist auch die Optik manchmal so eine Sache dun sieht komischerweise nicht immer ganz hochwertig aus, was mir eigentlich unverständlich ist, denn Budget war genügend vorhanden. Was mir auch etwas negativ aufgefallen ist, war der Schnitt während der Actionszenen. Manchmal kommt der irgendwie unsauber rüber, quasi nicht on point gesetzt, wodurch das Ganze in manchen Momenten nicht ganz flüssig wirkt.Der Härtegrad ist ordentlich, abgesehen von der Art wie das Blut.......( ja ich weiß, ich habe bereits ausgiebig über das CGI Blut gemeckert, also belassen wir es nun dabei ). Die Actionszenen sind an sich ordentlich aber werden nie richtig aufgebaut so dass man leider die Dramatik vermisst, was aber auch durch die blassen Hauptfiguren begründet ist, für die man nur wenig bis gar nicht mit fiebert, da die Sympathie fehlt. Der Score erinnert sehr an alte Woo Werke und lässt zumindest ein bisschen Flair entstehen, kann also zu den positiven Aspekten gezählt werden.Leider ist Woo hier nur in Ansätzen zu erkennen. Zwar trägt der Film durch viele bekannte Elemente klar seine Handschrift aber diese sind leider einfach nur zusammengewürfelt untergebracht worden. Man vermisst durchgehend das epische eines John Woo Knallers.Trotz noch vielversprechendem Anfang wollte die gewisse Woo'sche Magie hier einfach nie aufkommen.Da hat es sich der Altmeister viel zu einfach gemacht und ist damit baden gegangen. Anstatt etwas "neues" mit seiner altbewährten Formel zu erschaffen, hat er hier ein Flickwerk aus Versatzstücken seiner alten Filme zusammengebastelt, was leider in die Hose gegangen ist, zumindest gemessen an den Erwartungen, die Woo's groß angekündigte Rückkehr in sein geprägtes Fachgebiet hervorgerufen hat. Der Cast ist fehlbesetzt und stimmig war nicht viel. Leider ein schwaches Actioncomeback. Sicherlich gibt es einige unterhaltsame Actionszenen aber von einem John Woo MUSS!!! da deutlich mehr kommen. 5,5 / 10