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Stimme des Herzens - Whisper of the Heart (Studio Ghibli Collection)

Gestartet: 23 Okt 2013 15:45 - 3 Antworten

#1
Geschrieben: 23 Okt 2013 15:45

VincentVinyl

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Redaktion Filmreviews
Blu-ray Papst
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Stimme des Herzens - Whisper of the Heart (Studio Ghibli Collection)

Story 7
Bild 9
Ton 7
Ausstattung 5
Gesamt 7


Mit Stimme des Herzens lieferte Regisseur Yoshifumo Kondo 1995 sein großes Regiedebüt ab und verstarb nur drei Jahre später. Seine Manga-Verfilmung erzählt die Geschichte des verträumten Mädchens Shizuku, die ihren Traum Schriftstellerin zu werden verwirklichen möchte. Im Vertrieb von Universum erscheint der Anime jetzt als Teil der Studio Ghibli Collection in Deutschland erstmals auf Blu-ray.

Story
Shizuku Tsukishima geht in einem Außenbezirk der japanischen Hauptstadt Tokio zur Schule. Die 14-Jährige hegt andere Interessen als die meisten Mädchen ihres Alters, denn sie liest und schreibt gerne. Sie ist verwundert, als sie entdeckt, dass ihr Mitschüler Seiji Amasawa jedes Buch, das sie ausleiht, ebenfalls gelesen hat. Ihre Verwunderung vergrößert sich, als sie feststellt, dass Seiji der Enkel eines Ladenbesitzers ist, mit dem sie sich gerade angefreundet hat. Nach anfänglicher Skepsis stellt Shizuku fest, dass auch Seiji ein Träumer ist, denn er möchte unbedingt Geigenbauer werden. Ist er vielleicht eine verwandte Seele?

1995 erzielte das japanische Studio Ghibli mit Stimme des Herzens für sich einen Meilenstein. So lief der Anime in Japan als erster Film überhaupt im Tonformat Dolby Digital in den Kinos. Weiterhin war Regisseur Yoshifumo Kondo der erste Filmemacher, der neben den Studio-Mitbegründern Takahata und Miyazaki die Schirmherrschaft über eine Produktion übernehmen durfte. Leider verstarb Kondo nur drei Jahre nach Erscheinen von Stimme des Herzens. Zuvor handelte man ihn als potentiellen Nachfolger für die beiden Studio-Ghibli-Großmeister. Kondos Tod durch ein Aneurysma, welches vermutlich durch massive Überarbeitung entstanden war, beeinflusste Miyazaki nachhaltig und ließ ihn zu einem langsameren Arbeitsrhythmus finden. Abgesehen von diesem tragischen Hintergrund ist Stimme des Herzens für die Verhältnisse des Studio Ghibli ein fast nüchterner Film. So erzählt man die Liebesgeschichte zwischen Shizuku und Seiji ohne Kitsch und insgesamt sehr alltagsnah. Das naiv bis simpel anmutende Ende sorgte bei Ghibli-Fans für einige Diskussionen, fußte aber auf einer Idee Hayao Miyazakis, der diese Herangehensweise bis heute verteidigt. Dennoch zählt Stimme des Herzens zu den schwächeren Ghibli-Produktionen, was nicht nur am enttäuschenden Schlussakkord der Geschichte liegt. Man merkt dem Film stark an, dass er auf einer Manga-Serie für junge Mädchen basiert, denn außerhalb dieser Zielgruppe empfindet man die Handlung teilweise als etwas zu abgehackt und zähflüssig. Schön ist allerdings, dass weder die angehende Jungautorin Shizuku noch der potentielle Geigenbauer Seiji als Wunderkinder hingestellt werden. Beide ernten von Erwachsenen realistische Rückmeldungen zu ihren handwerklichen Gehversuchen statt purer Euphorie, wie es in US-Produktionen oft weltfremder Weise der Fall ist. Auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelt sich zumindest bis zur letzten Szene eher dezent und ohne Klischees.

Ein wenig abgekoppelt wirken die kurzen Fantasy-Sequenzen um den Katzen-Baron, der später im indirekten Nachfolgefilm Das Königreich der Katzen eine größere Rolle spielt. Die Szenen mit dem Baron sind sehr fantasievoll und metaphorisch und bilden einen spannenden Kontrast zur geruhsamen Alltagswelt von Shizuku. Stimme des Herzens ist ein sehr ruhiger Film, der lediglich beim überzogenen Ende enttäuscht, das nicht so recht zum sonstigen Tonfall des Films passen mag. Obwohl es sich hier um einen sehenswerten Anime aus dem Hause Ghibli handelt, ist die Zielgruppe tatsächlich eher als bei anderen Produktionen des japanischen Studios, bei kleinen Mädchen zu sehen. Für Ghibli-Fans und Familien lohnt sich der Kauf allerdings ebenfalls.

Bildqualität
Videocodec MPEG4-AVC, Ansichtsverhältnis 1,85:1, Auflösung 1080p

stets ist feines Filmkorn sichtbar
sauberes Bild ohne Beschädigungen
kräftige, aber nie zu grelle Farben
insgesamt sehr organischer Transfer

Universum setzt Stimme des Herzens originalgetreu auf Blu-ray um. Während die britische Fassung von Studiocanal mit Rauschfiltern leicht glattgebügelt wurde, sieht man bei der deutschen Fassung wie auf der japanischen Disk noch das feine Filmkorn und damit auch ein wenig mehr Details. Die Farbgebung ist dabei kräftig, aber nie quietschbunt und die Kontraste sehr ausgewogen. Summa summarum liegt ein Transfer vor, der dem Film aus dem Jahr 1995 wirklich gerecht wird.

Tonqualität

Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Japanisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

sehr dialoglastiger Mix
auch Umgebungsgeräusche fast ausschließlich auf der Front
zurückhaltender Soundtrack von Yūji Nomi darf sich leicht ausbreiten
japanischer Originalton verhält sich ähnlich dezent

Sowohl die deutsche Synchronisation als auch der japanische Originalton liegen verlustfrei als Surround-Abmischungen vor. Beide Mixe sind jedoch sehr frontlastig, was selbst für die zurückhaltenden Umgebungsgeräusche gilt. Lediglich die Fantasy-Sequenzen mit dem Baron gehen etwas mehr in die Vollen und spielen auch mit den Bässen. Die dezente Abmischung ist dem ruhigen, dialoglastigen Film jedoch angemessen.

Ausstattung
Wie auch bei anderen Ghibli-Filmen lässt sich Die Stimme des Herzens auf Wunsch komplett als Storyboard-Version (HD) ansehen. Zusätzlich finden sich jeweils drei Trailer bzw. TV-Spots in HD auf der Blu-ray – allerdings nur in japanischer Sprache. Mit einigen Trailern zu anderen Ghibli-Filmen will Universum die Kunden locken. Sonst warten nur noch mit etwas weniger als fünf Minuten Spielzeit Artworks zu der Geschichte des Barons als Video-Zusammenschnitt (SD). Üppig ist das Material somit zwar nicht, speziell die vollständige Storyboard-Version ist aber eine sehr interessante Dreingabe.

Fazit
Universum hat sich an der japanischen Blu-ray orientiert und setzt das Bild zu Stimme des Herzens nahezu perfekt um. Deutscher und japanischer Ton klingen aufgrund des ruhigen Ausgangsmaterials recht frontlastig, erfüllen aber technisch einwandfrei ihren Zweck. Etwas schwächer erscheint das knapp bemessene Extramaterial, das aber immerhin mit einer kompletten Storyboard-Fassung des Films aufwartet. Stimme des Herzens zählt nicht zuletzt aufgrund des umstrittenen Endes zu den schwächeren Ghibli-Filmen. Zudem visiert diese Manga-Verfilmung recht klar junge Mädchen als Zielgruppe an und lässt deshalb über weite Strecken den breiten Appeal anderer Klassiker des Studios etwas vermissen. Dennoch erzählt der zu jung verstorbene Regisseur Yoshifumo Kondo eine liebevolle Geschichte, die geschickt Klischees umschifft und den Alltag eines verträumten Teenagers beschreibt. Besonders zu loben ist, dass die Protagonistin Shizuku nicht zum Wunderkind mutiert, sondern eine realistische Entwicklung durchmacht. Für Ghibli-Fans ist der Kauf daher keine Frage. Neueinsteiger sollten allerdings lieber mit Filmen wie , Kikis Kleiner Lieferservice oder Das Schloss im Himmel den Einstieg in die Anime-Welt erleben. (anw)

Kaufempfehlung
7 von 10
Die Kaufempfehlung der Stimme des Herzens - Whisper of the Heart Blu-ray wird anhand der technischen Bewertung und unter Berücksichtigung der Story berechnet.

Testgeräte TV: Panasonic TX-P65VT50E
BDP: Panasonic DMP-BDT310EG
AVR: Onkyo TX SR 606
Boxen: Heco Victa 5.1 Komplett-Set
#2
Geschrieben: 23 Okt 2013 16:07

N1ghtM4r3

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Blu-ray Papst
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Tolles Review:thumb:

Dieser Ghibli ist einer der nicht so tollen Filme. Das heißt nicht, das er schlecht ist, sondern nur etwas anders ist. Mir hat er aber trotzdem gefallen.
#3
Geschrieben: 23 Okt 2013 16:38

VincentVinyl

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Redaktion Filmreviews
Blu-ray Papst
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Gut fand ich ihn auch - nur das Ende fand ich ein wenig blöd. Der ganze Film war ja eher gesetzt und das Ende dann im Gegenteil dazu doch etwas zu naiv / übertrieben.
#4
Geschrieben: 28 Okt 2013 10:16

Sawasdee1983

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Kommentar Mod
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Sawasdee1983 guckt fleißig Serien

Für mich war der Streifen bisher sogar der schwächste Ghibli Film überhaupt, der einzige bisher bei dem ich mich sogar mega gelangweilt hab.


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