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Zitat von Wolfschädel;999437
käme dann eher einer Doku gleich.
Finde ich nicht. In dem Stoff um die Titanic liegt so viel Potential für das Erzählen von wunderbar menschlichen Schicksalen, Entscheidungen, die alle mit der Titanic selbst zu tun haben können. Man hätte zeigen können, wie der Kapitän zu seinem Job gekommen ist. Gab es ein Auswahlverfahren? Warum gerade er? Gab es bessere für den Job? Hat er sich hochgemogelt? Was ist mit dem Ingenieur? Wie hat er seine Aufgabe wahrgenommen, wie hat er sich bei der Konstruktion, oder schon vorher bei der Planung von der Idee fangen lassen? Welche Firma, die Sonnenliegestühle herstellt hat den Großauftrag für 10.000 Liegstühle bekommen und wie haben sich die jeweiligen konkurierenden Firmen behandelt? Wie haben sich die Stahlarbeiter in der extra verkürzten 10 Minuten Mittagspause beim Wurstbrot darüber unterhalten, dass sie jetzt doppelt so viel Arbeit haben, weil sie Unmengen von Stahl für ein Monsterschiff herstellen müssen? WIe hat sich die familiäre Situation dieser Arbeiter geändert, was haben die Kinder der Stahlarbeiter empfunden? Waren sie stolz auf ihre Papas, die am Bau des größten Schiffes der Welt beteiligt sind? Welche Emotionen brachte der Zeitungsdrucker mit nach Hause, nachdem er die Schlagzeile gedruckt hat, das größte Schiff der Welt werde gebaut. Was empfand der Leuchtturmwärter an dessen Leuchtturm dieses Monsterschiff vorbeifuhr? War die Titanic ein Politikum? Ein fast schon militärisches Kräftemessen für die Gesellschaft oder das Land? "WIR zeigen euch wie man Schiffe baut!"
Wie wurden die Schiffsreederei von der Politik unterstützt. War man "zufrieden", stolz? Wer steckt eigentlich als maßgeblicher Chef hinter der Schiffsreederei? Hat er Familie? Wie geht er damit um? Gab es eine Konkurrenz, einen Wettbewerb beim Bau? Hat eine andere Gesellschaft versucht etwas ähnliches auf die Beine zu stellen? Was sagte eigentlich die Hafenaufsicht dazu? War das Hafenbecken tief genug? Gab es Diskussionen darüber es tiefer auszubaggern? Gab es Menschen, die mit der Planung zu tun hatten und der ganzen Sache skeptisch gegenüberstanden? Letztendlich war die Titanic ja sowas wie der sprichwörtliche Turmbau zu Babel, oder Theodor Fontanes "Brück am Tay" (Mensch gegen Natur). Gab es Leute, denen das Angst gemacht hat? Wie ist man mit den Zweiflern in der Gesellschaft umgegangen? Wie haben dieses Ereignis die Lehrer den Kindern in der Schule vermittelt? Gab es täglich Neuigkeiten per Zeitung, oder ist die ganze Sache geheim abgelaufen (wie der Bau der Schiffe in "2012")? Was dachte sich der Kapitän als er die Order zur Erhöhung der Geschwindigkeit gab? Gegen wen wetteiferte er da eigentlich genau? Was trieb ihn dazu? Woher kam der Ehrgeiz mit der Jungfernfahrt der Titanic gleichzeitig auch noch einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen zu wollen? Gräbt man ein bißchen gibt es Legenden, beim Bau der Titanic ging alles so schnell, dass teilweise Arbeiter zwischen Außen und Innenhülle des Schiffes versehentlich eingeschweißt wurden... usw.
Es gäbe so viele Ansätze und man muss daraus keine Doku machen, man hätte das (das zeigen ältere Titanic Verfilmungen) durchaus mit einfließen lassen können und die Schicksale und Entscheidungen vieler Personen mit einbauen können, die auch tatsächlich mit der Titanic zu tun hatten.
Die Cameron Version dreht sich zu (sehr wohlwollend geschätzt) über 80% um Jack und Rose.