HEAT

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22. März 2020
HEAT

Mein Lieblingsfilm.

Der Versuch einer Liebeserklärung :love:

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 https://letterboxd.com/film/heat-1995/


 

Noch ist es dunkel in der Stadt der Engel. Die Metro spuckt an der Station einige Leute aus - darunter Neil McCauley.
Neil McCauley dreht mit seinem vertrauenseligem Team Dinger in der Stadt der Engel. Klug und sorgfältig gehen sie vor und sind schwer erfolgreich. Das ändert sich eines Tages als ein neues Teammitglied namens Waingro dazu stößt. Jener Waingro ist unberechenbar und nervös am Abzug. Er wirkt von Anfang an toxisch. Als durch ihn während des nächsten Coups Menschen sterben sieht Neil rot... Der Beginn unglücklicher Ereignisse ist eingeläutet.
 

Vincent Hanna vom Raub- und Morddezernat übernimmt diesen jüngsten Fall der Bande und durch einen Zufall kommt er mit seinem Team den Verbrechern auf die Spur. Nur Neil bleibt bisher unentdeckt, aber Hanna verbeißt sich immer mehr in den Fall und setzt alle Hebel in Bewegung dem Treiben der Knacker ein Ende zu bereiten.
 

Soweit, so simpel der Plot. Nix Neues. Der gute Bulle jagt den bösen Gangster um die Häuser und am Ende gibt es einen fetzenden Showdown bei dem der gute Bulle über den bösen Gangster siegt. Schwarz und Weiss. Ohne Grauzonen.
Nicht ganz, denn Michael Mann geht hier einen anderen Weg, sogar viele Wege, auch wenn er dem "einfachen" Hauptpfad der Story mit nötigem Bedacht folgt.
 

Der Regisseur lässt so gut wie keine Stereotypen zu. Neil dreht zwar Dinger, ist aber ein ruhiger, kluger Typ dem menschliche Werte wichtig sind: Freiheit, Disziplin, Vetrauen, Zuverlässigkeit, Respekt. Diesen Respekt bringen ihm seine Kumpels entgegen. Sie schauen quasi zu ihm auf. Was er sagt und tut ist Gesetz. Er ist für sie alle da, schweißt die Truppe zusammen, räumt aber auch jeden Widersacher unerbittlich aus dem Weg der gefährlich werden könnte. Alle seine Kumpels sind in Beziehungen, haben sogar Kinder. Er ist allein, aber nicht einsam. Ein Einzelgänger der sich nicht an etwas heftet was er nicht problemlos nach 30 Sekunden wieder loswerden wird. Insgeheim aber sehnt er sich nach Zweisamkeit. Ein Gefühl das er glaubt unterdrücken zu können und es nicht zuzulassen. Er besitzt keine Möbel, sein großes Haus ist spärlich eingerichtet. Es ist leer wie er selbst. Als er eines Tages die junge, einsame Eady kennenlernt, registriert er eine Veränderung. Eady ist des Jobs wegen nach L.A. gezogen und hat keine Freunde, ist einsam unter den vielen Menschen. Durch sie aber passiert etwas. Ein letzter großer Coup soll für Neil alles verändern. Die Zeit wird knapp und er weiß es....
 

Vincent Hanna ist immer auf Zack. Ein ruheloser Geist, der seinem Job mehr Zuwendung schenkt als alles andere. Er verbeißt sich in den Fall, lässt nicht locker. Er treibt seine Kollegen zu Höchstleistungen an. Zielstrebig und autoritär. Das Verbrechen muss besiegt werden, koste es was es wolle. Ein Tag mit 24 Stunden reichen ihm nicht. Auch hier ist die Zeit sein größter Gegner. Seine dritte Ehe droht zu scheitern. Gattin Justine beklagt zu wenig Familie und Aufmerksamkeit. Die Kluft zwischen ihnen wird größer. Vincent wandelt durch das "gemeinsame" Leben wie ein Toter. Dennoch versucht er den Scherbenhaufen zu kitten, aber beide dringen nicht mehr zu den jeweils anderen durch. Justine hält sich mit Affären über Wasser um der desolaten Situation zu entfliehen. Die wirklich Leidtragende ist ihre Tochter Lauren. Ein Scheidungskind aus Mutters erster Ehe und eh schon psychisch angeknackst. Damit ihre Hilfeschreie gehört werden greift sie zu drastischeren Mitteln...
 

Vincent Hanna und Neil McCauley begegnen sich zum ersten Mal genau in der Mitte der Spielfilmzeit. Sie trinken Kaffee und verstehen sich, haben Respekt voreinander. So unähnlich sind sie sich gar nicht und könnten Buddys fürs Leben werden. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Neil ist ein Verbrecher und dennoch kann er verdammt viele Sympathiepunkte einstreichen. Warum ist das so? Vielleicht stehen hier wirklich die Menschen im Fokus und werden nicht einfach nur fahrplanmäßig karikiert.
 

HEAT glänzt nicht nur durch seine Hauptdarsteller. Val Kilmer´s Rolle ist genauso intelligent geschrieben wie so gut wie alle Nebenfiguren. Jede hat ihren Platz, keine ist unnötige Staffage. Durch sie werden kleinere und größere Nebenstränge zum Leben erweckt die der ganzen Geschichte ihr fundamentales Konstrukt geben. Alles läuft zusammen und alles ist unausweichlich.
Wie die des auf Bewährung entlassenen Ex-Sträflings Donald. Ehrlich will er werden und anständiges Geld verdienen. Dafür lässt er sich ausnutzen und ausbeuten. Keine Widerrede sonst geht´s zurück in den Knast! Was für ein tolles Rechstschaffendes System... Nur seine Freundin hält zu ihm. Ermuntert ihn weiter zu machen und durchzuhalten. Selbst das versteht er nicht mehr, wirkt orientierungslos. Das wichtigste erkennt er nicht mehr, obwohl sie ihm direkt zur Seite steht. Die Rückfälligkeit hängt wie ein Damoklesschwert über ihm...
 

HEAT ist so facettenreich und spannend aufgebaut. Action kommt auch nicht zu kurz. Die Schießerei in Downtown L.A. ist für mich die Beste die ich in einem Film je sah. Damals hat man noch Strassenzüge an drei Wochenenden gesperrt und on Location gedreht. Man ist mit mittendrin im Kugelfeuer und der Schall, das Echo der Gewehrsalven lassen das (Heim)Kino beben. Der Film wurde generell an Originalschauplätzen gedreht und atmet daher viel Authentizität. Vom Finale am Flughafen fang ich hier erst gar nicht mehr an.
Die Action fungiert zwar auch als Erlebnisverstärker, ist aber die Konsequenz zuvor eingeläuteter Ereignisse. Aber der Film ist noch soviel mehr und man saugt ihn mit jeder Pore auf wie ein Schwamm.
 

Der Cast ist nicht nur erlesen, sondern bis in die kleinste Nebenrolle edel besetzt:
Ashley Judd, Amy Brenneman, Diane Venora, Natalie Portman, Wes Studi, Mykelti Williamson, Jon Voight, Tom Sizemore, Ted Levine, Danny Trejo, William Fichtner usw. Alle überzeugen auf ganzer Linie.
 

Die Inszenierung ist fabelhaft und Michael Mann typisch auf den Punkt. Die Stadt der Lichter erhaben und fast dokumentarisch eingefangen. Mann´s eigener visueller Stil ist hier auf dem Höhepunkt. Über allem liegt ein dezenter Blauton.
 

Der Film ist mit knapp drei Stunden imposant lang. Er nimmt sich Zeit. Er baut alle Beteiligten mit Sorgfalt auf. Alle Emotionen werden durchlebt. Hoffen und Scheitern liegen so dicht beieinander. Ein Film voller Antihelden. Ganz frei von schablonenhaften Figuren bleibt HEAT dennoch nicht. Sei es der schleimige, raffgierige Geschäftsmann ohne Moral, oder der irre, madige Psychopath mit Nazi-Tick.
 

Egal wie oft ich HEAT schon gesehen habe, ich verliere mich jedesmal aufs Neue in dem Film und erkenne weitere, feine Details.
 

Ob es Zufall ist, das der Film COLLATERAL da beginnt wo HEAT endet - nämlich am Flughafen? Und ist es Zufall das gegen Ende von COLLATERAL dieselbe Metro zu sehen ist wie zu Beginn in HEAT?
Vielleicht denkt Michael Mann gerne groß :)
 

Dennoch: Jedesmal möchte ich Neil McCauley gegen Ende anschreien nicht die Abfahrt zu nehmen. Sein Glück sitzt schließlich auf dem Beifahrersitz. Sie hält noch zu ihm. Er hat das Glück doch noch gefunden.
Aber wie gewonnen........?
 

Ich sympathisiere also mit dem bösen Buben!?
Ich halte zu ihm und gönne ihm sein Glück!?
 

Was sagt das über den Film aus, oder vielleicht über mich.....


In diesem Sinne:
I´ll be back, when it´s dark.


Headhunter666



 
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Ich weiß genau was du meinst :) Ich liebe "Spiel mir das Lied vom Tod" und ich stimme zu das er seeeehr langsam ist und vielleicht für heutige Sehverhältnisse sehr zehrend sein kann. Dennoch bin ich jedesmal begeistert von dem Film.

Geschmäcker sind verschieden und so soll es auch sein :)
Ich finde es immer spannend wenn man mit einem Filmfan über Filme redet, welche man schon oft gesehen hat und sich trotzdem noch durch Gespräche andere Blickwinkel und Ansichten offenbahren. Großartig :)

Was mich nur massiv stört - und damit mein ich nicht nur dieses Portal - sind Kommentare einiger User die Filme schon im Vorfeld als Mist, Murks, zu alt usw.. abstempeln, obwohl sie die Filme meist gar nicht gesehn haben.

Ich geb dir Recht das "Miami Vice" und "Blackhat" nicht überragend sind, aber dennoch ein gewisses Flair inne haben. Ich mag sie :) Im July kommt endlich mal "The Insider" raus. Da freu ich mich :)

Western? Geil, ich liebe Western und wollt mich dem Genre demnächst mal wieder ausführlicher widmen, genauso wie dem asiatischen Kino.

Gerne. Ich hoffe du kannst "Thief" viel Gutes abgewinnen :)
Headhunter666
02.04.2020 um 12:05
#7
Danke für den Tipp! Ich bin mir gar nicht sicher ob ich "Thief" kenne, aber ein "Michael Mann" Film, plus deine Empfehlung, kommt selbstverständlich blind in die Sammlung! Was sonst?! :)

"Miami Vice" und "Blackhat" fand ich auch ziemlich gut, aber für Mann Verhältnisse nicht so überragend..

Ja, du das ist manchmal halt wirklich Geschmackssache, es gibt nichts was so unterschiedlich, und vielschichtig-unterschiedlich sein kann, wie der Geschmack, ganz besonders wenn es um "Filme" geht. Der bester Beweis; schau dir die Filmlisten von Usern an, du wirst welche finden die sich ähneln, aber niemals "zwei" Mitglieder die genau die gleiche Sammlung haben! :)..

Beispiel gestern Abend lief "Spiel mir das Lied vom Tod", was für viele ein Meisterwerk oder Klassiker ist, ist für mich einer der langweiligsten Western Filme überhaupt. Mann hat er sich gezogen!.. :) Und ich liebe "Western-Genre"..Und Filme mit "Charles Bronson"! Aber ist halt so.
ürün
02.04.2020 um 11:35
von ürün
#6
Ja, aber bei "Public Enemys" war - und bin ich immer noch - etwas ernüchtert am Ende. Setdesign, Erzählstruktur - alles super, aber mir ist der Film irgendwie langatmig. Nix gegen eine lange Laufzeit, aber hier wirkt maches etwas unstraffer. Genau kann ich es nicht erklären, vielleicht hatte ich eine andere Erwartungshaltung als ich ihn zum ersten Mal sah.
Realistisch und wieder fabelhaft inszeniert ist er auf jeden Fall.

Vielleicht brauch ich hier noch den ein-oder anderen Durchlauf um ihn so zu mögen wie "Heat" und "Collateral".

"Thief-Der Einzelgänger" möcht ich hier noch einreihen. Der belegt sozusagen den dritten Platz meiner Michael Mann-Favorites :)
Falls du den nicht kennst, kann ich ihn dir nur ans Herz legen.
In meinem ersten NOIR-Blog hatte ich den Film schonmal angeteasert.

"Miami Vice" und "Blackhat" gefallen mir auch ziemlich gut.
Headhunter666
01.04.2020 um 14:41
#5
Aber gerne doch!

"Public Enemies" finde ich auch sehr gut, auch wenn er nicht ganz an "Heat" oder "Collateral" ran kommt, wie ich finde. "John Dillinger" hat mich schon immer fasziniert, und Mann's Verfilmung finde ich cool, zugleich aber auch rau, melancholisch und bitterböse wie die Realität eben..

Ich bin gespannt, wann er wieder was liefert..

LG.
ürün
31.03.2020 um 14:18
von ürün
#4
Nachtrag:

Die Anekdote zur Restaurantsszene ist noch eine gute Info von dir.
Die hätte ich in den Blog noch mit einbringen können, hab da aber überhaupt nicht dran gedacht :)
Headhunter666
31.03.2020 um 13:25
#3
Danke mein Freund :)

Ach, ich könnt noch soviel zu "HEAT" schreiben, ständig fällt mir noch was ein. Irgendwie seltsam welche Sogwirkung der Film auf mich schon immer hatte.
Es stimmt, der Film ist traurig. Gewinner gibt es kaum welche und diese Intensität die wirklich jeder in seine Figur legt beeindruckt mich immer noch.

Mensch, wenn Michael Mann nochmal so ein derartiges Brett hinlegen würde...

Die Szene im Restaurant feier ich natürlich auch jedesmal.

Cool, das du "Collateral" auch so sehr magst wie ich :) Dem kann ich auch viel abgewinnen und ich merke das der Film auch immer noch wächst und wächst. Alles spielt sich in einer Nacht ab und die Inszenierung ist so magisch. Großes Kino!

Danke Ürün, auch ich wünsch dir weiterhin eine gute Zeit. Bleib Gesund und verlier nicht die Leidenschaft zum Film!
Headhunter666
31.03.2020 um 13:16
#2
Danke für den "Heat" Beitrag mein Freund. :) Sehr schön geschrieben! Mir geht es genauso wenn ich jedesmal Heat anschaue, ich bin auch für Neil natürlich, und rege mich jedesmal auf wenn er die Abfahrt nimmt. Als ob er ein Freund wäre..

"Heat" ist ein verdammt trauriger Film finde ich. So tragisch wie das echte Leben. "Michael Mann" ist ein Genie.. "Alle" in diesem Film bringen eine erstklassige Leistung, besser geht es nicht. Aber mittlerweile habe ich vor "Robert De Niro" den grössten Respekt. Dieser Mann ist einfach einzigartig!..

Als Vincent und Neil im Restaurant Kaffee trinken; für diese Szene gab es kein Drehbuch-Text, beide haben von Anfang bis zum Schluss komplett improvisiert und spontan gespielt! Und das ganze war gleich "BEIM ERSTEN MAL" durch! :) Aber das hast du sicher gewusst.

Selten war ein Gangsterfilm so poetisch.. Meine Nummer 1 ist aber immer noch "Collateral". :) Ich wünsche dir eine gute Zeit, und viel Kraft, in dieser verrückten und bösen Zeit! Wie schön auch, das wir totzdem unsere Energie für den Film nicht verlieren!...
ürün
31.03.2020 um 12:57
von ürün
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