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Schwarz, schwärzer - FILM NOIR #5

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15. April 2019

Hallo verehrte Filmfreunde,

nach längerer Abstinenz meld ich wieder mit meinem NOIR-Blog zurück. Ich kann nix dafür, ich liebe dieses Genre und es lässt mich nicht mehr los :-)
Viel Spass beim Lesen.

 

Unter Verdacht (The Suspect) 1945

Charles Laughton, Ella Raines, Stanley C.Ridges. Regie: Robert Siodmak

 

alt textPhilip Marshall ist Geschäftsführer einer Tabakhandlung in London zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zudem ist er nicht mehr der Jüngste, hat einen erwachsenen Sohn und eine Ehefrau die eher den Begriff "tyrannischer Hausdrache" verdient hat. Eines Abends eskaliert die Situation nach dem seine Ehefrau Cora ihrem Sohn wichtige Unterlagen entreißt und kurzerhand verbrennt. Der Sohnemann möchte endlich unabhängig werden und die Chance ergreifen nach Kanada zu seinem künftigen Arbeitgeber zu ziehen. Nach diesem Zwischenfall zieht der Sohn kurzerhand aus und auch Philip ergreift die Gunst der Stunde zumindest aus dem ehelichen Schlafzimmer zu flüchten. Er sieht seine Ehe mit Cora vor dem Scheiterhaufen, doch diese gibt nicht so leicht auf und drangsalliert ihren Gatten weiterhin. Als Philip eines Tages die junge Mary kennenlernt die sich alleine durchs Leben schlägt entwickelt Philip nicht nur väterliche, sondern auch romantische Gefühle. Als die nächste Konfrontation mit seiner Ehefrau eskaliert, beschließt er kurzerhand zum radikalsten Mittel zu greifen....

Warum diese Geschichte um die Jahrhundertwende angesiedelt ist, wird nicht genauer erläutert. Erfrischend ist es aber dennoch im Klassischen Film Noir eine andere Zeitepoche zu erleben. Aber auch andere eigentlich stilsichere Elemente des Film Noir fehlen hier: Keine Femme Fatale, keine erbarmungslosen Widersacher, oder in sich zerrissene, gescheiterte Antihelden die sich meist in schäbigen Bars rumtreiben. Im Gegenteil: Die Hauptfigur ist ein charismatischer, symphatischer und gutmütiger Kerl der stets beste Absichten verfolgt. Getrieben und gepeinigt wird er allerdings über Jahre hinweg von seiner Gattin, welche er sich dann auch entledigt. Hier liegt dann auch der Hund begraben, denn welche Sympathie soll man ihm nach dem Mord noch entgegenbringen. Die Gattin allein steht ihm in Weg um neues Glück in seinem Leben zu genießen. Kann man verstehen, oder eben auch nicht…. Robert Siodmak zumindest versteht es hier wieder einmal einem Film einen bestechend visuellen Stil zu verpassen der von atmosphärischer Dichte nur so strotzt. Charles Laughton glänzt einmal mehr in seiner Darbietung und Ella Raines überzeugt nicht nur in optischer Hinsicht. „Unter Verdacht" ist ein schöner, spannender aber auch vorhersehbarer Krimi mit einigen unglaubwürdigen Handlungen. Dennoch sehr sehenswert. Leider gibt es von diesem Film bisher keine HD Auswertung.

Bildquelle: https://www.amazon.de/Unter-Verdacht-Charles-Laughton/dp/B00ISNG99M/ref=sr_1_7?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=N0OBA4FTWWTA&keywords=unter+verdacht+dvd&qid=1555314899&s=dvd&sprefix=unter+verd%2Caps%2C170&sr=1-7


Berüchtigt (Notorious) 1946
Gary Grant, Ingrid Bergman, Claude Rains Regie Alfred Hitchcock

alt text

Alicia Huberman liebt Partys und lässt auch sonst gern mal die Sau raus. Als ihr Vater aber wegen Landesverrats ins Gefängnis muss, sucht sie umso mehr Zuflucht im Alkohol. Auf einer Party lernt sie den Geheimagent Devlin kennen und die beiden entwickeln nach kurzer Zeit auch Gefühle füreinander. Im Auftrag von Devlin´s Boss wird Alicia allerdings genötigt sich mit dem zwielichtigen Alexander Sebastian in Brasilien anzubandeln und als verdeckte Ermittlerin zu agieren. Sebastian unterhielt in der Vergangenheit geschäftliche Beziehungen zu ihrem Vater und wird verdächtigt im Drogenhandel verwickelt zu sein. Sebastian war schon früher in Alicia verliebt und somit ist es für sie ein leichtes seine Gunst zu erlangen. Bald macht er ihr sogar einen Heiratsantrag und sie zieht – innerlich angewiedert natürlich - bei ihm ein. Nicht nur das sie sich im Nachfolgendem noch mit seiner eifersüchtigen Mutter und Matriarchin rumschlagen muss, gerät sie zudem aufgrund ihrer verdeckten Ermittlungen in Lebensgefahr….

Ingrid Bergmann´s Charakter hat´s in dieser feinen Hitchcock Perle wahrlich nicht einfach: Der Vater ein Vaterlandsverräter und Krimineller, im Zuge dessen dann selber unter Polizeiaufsicht und dann muss sie sich noch einem Verbrechertypen anbiedern obwohl sie eigentlich in ihren Aufpasser Devlin verknallt ist. Die Schauspielerin überzeugt daher in einer kühlen, aber auch umwerfenden Darbietung. Gary Grant kommt als Agent und Lover aber etwas blass daher… Claude Rains kontert im Gegenzug mit einer rundum gelungen Performance als schmieriger Gangster welcher aber schlussendlich doch nur als Müttersöhnchen zu bezeichnen ist. Die kontrastreiche Schwarzweiß Inszenierung erzeugt eine geniale Atmosphäre. Typisch für Hitchcock nimmt die Spannung gegen Ende hin immer mehr zu. „Notorius“ bietet eine in sich erstklassige, facettenreiche Story mit einem Schuss Romantik.

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/78826-beruechtigt_collectors_edition


Die Spur des Fremden  (The Stranger) 1946
Orson Welles, Edward G. Robinson, Loretta Young. Regie: Orson Welles

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Nach Ende des zweiten Weltkriegs ist der Nazi und Kriegsverbrecher Frank Kindler auf der Flucht und lässt sich im beschaulichen Harper in Connecticut mit neuer Identität nieder. Um seine wahre Identität weiter zu verheimlichen heiratet er die junge Richterstochter Mary Longstreet. Detective Wilson, der im Auftrag der Kriegsverbrecherkommission mit der Fahndung nach Kindler beauftragt ist, sorgt dafür das ein ehemaliger Vetrauter Kindler´s , ein gewisser Konrad Meinike auf freiem Fuss kommt. Meinike kennt das Aussehen Kindler´s, denn von diesem existiert kein Foto. In der Hoffnung dass der ehemalige Vetraute den Kontakt zu Kindler sucht, heftet sich Wilson auf dessen Fersen….

„The Stranger“ beweist einmal mehr welch ein herausragender Filmemacher Orson Welles war. Gekonnt wird hier wieder mit stilprägenden Kameraeinstellungen und Perspektiven ein Spiel von Licht und Schatten entworfen und im Zuge dessen die Spannung stets auf ein neues Level katapultiert. Als Grundgerüst dient eine Geschichte über einen NS-Kriegsverbrecher der sich in einer harmlosen, verschlafenen Kleinstadt niederlässt. Die Bewohner ahnen nicht das geringste welches Scheusal sich in ihr Nest gesetzt hat. Selbst seine Angetraute will es aufgrund von Beweisen des Detektivs nicht wahrhaben und entscheidet sich voller Verblendung immer noch für ihren Gatten und versucht ihn zu schützen. "The Stranger“ befasst sich also elementar mit dem NS-Regime und zum ersten Mal überhaupt wurden seinerzeit in einem Film Originalaufnahmen von Konzentrationslagern gezeigt. Kurzum: Ein schwieriges Thema, allerdings interessant und spannend verpackt in einem visuell brillanten Krimi voller wunderbarer Darsteller. Das Finale auf dem Glockenturm ist einfach nur fesselnd! Interessant, oder vielmehr schade ist es allerdings das die ursprüngliche Fassung ziemlich heftig vom Studio zerschnippelt wurde. Eine gute halbe Stunde zu Beginn fehlt, in der Meinike unter anderem in Südamerika nach Kindler suchte. Bis heute gelten diese Szenen leider als verloren.  
"The Stranger" hat bisher keine HD-Auswertung in Deutschland erfahren.

Bildquelle: https://www.amazon.de/Die-Spur-Fremden-Edward-Robinson/dp/B00018GW7Q/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=L0V21GZ5PVEJ&keywords=die+spur+des+fremden&qid=1555316485&s=dvd&sprefix=die+spur+des+fremden%2Cdvd%2C220&sr=1-1


Die seltsame Liebe der Martha Ivers
(The Strange Love of Martha Ivers) 1946
Barbara Stanwyck, Van Heflin, Lizabeth Scott, Kirk Douglas. Regie: Lewis Milestone

alt text Iverstown 1928: Die junge Martha Ivers lebt wohl situiert bei ihrer Tante welche eine reiche Unternehmerin ist. Martha erträgt ihre Tante allerdings gar nicht und versucht stets Reißaus zu nehmen. Mit dem jungen Sam Masterston findet sie einen Freund, der ihr auch bei ihren Fluchtplänen zur Seite steht. Als die beiden wieder einmal erwischt werden und Martha nach Hause gebracht wird wartet dort nicht nur die erboste Tante, sondern auch ein gewisser Mr. O´Neil mit seinem Sprössling Walter. Walter soll einmal die Uni Harvard besuchen und sein Vater versucht durch eine Bindung mit der wohlhabenden Mrs Ivers dieses Ziel für seinen Sohnemann zu erreichen. In jener Nacht allerdings tötet die junge Martha ihre Tante im Zuge eines Konflikts. Die Anwesenden beschuldigen anschließend einen Herumstreuner des Mordes und dieser wird dann auch gehängt. Martha ist nun Alleinerbin eines imposanten Unternehmens.

Iverstown 1946: Matha herrscht mittlerweile über das geerbte Imperium und ist mit Walter O´Neil verheiratet. Walter ist ein erfolgreicher Anwalt und Politiker geworden. Sam Masterston kommt zufällig nach all den Jahren nach Iverstown zurück und lernt die junge Toni kennen mit der er eine Affäre beginnt. Martha und Walter fürchten nach der Rückkehr von Sam dass dieser die Wahrheit in der Mordnacht wissen könnte und planen eine Verschwörung gegen den ihn. Im Zuge dessen kommt die wahre Skrupellosigkeit von Martha zum Vorschein die vor nichts zurückschreckt um sich und ihr Imperium zu schützen.

Mir war diese Filmperle bisher gänzlich unbekannt umso größer natürlich die Freude diesen Klassiker entdeckt zu haben. Hier wird zwar auch viel die Psychokeule geschwungen, aber die Charakterzeichnungen der einzelnen Figuren sind wirklich mit feinen Nuancen und Tiefen ausgearbeitet. Vor allem Barbara Stanwyck´s Permormance der rabenschwarzen Femme Fatale ist beeindruckend und gibt diesem düsteren Film Noir die bedrückende Intensität. Der restliche Cast brilliert ebenso elegant und eindrucksvoll. Lewis Milestone inszeniert diese verschachtelte und intelligente Story mit tollen visuellen Bilder und atmosphärischer Optik. „The strange Love of Martha Ivers“ ist definitiv ein sehenswerter und beklemmender Klassiker mit richtig guten Darstellern. Für Kirk Douglas war es übrigens sein Filmdebüt.
Auch von diesem tollen Film gibt es hierzulande bisher leider keine HD-Auswertung.

Bildquelle: https://www.amazon.de/Die-seltsame-Liebe-Martha-Ivers/dp/B00F3CVHNY/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=1UJXZAL48CWWI&keywords=die+seltsame+liebe+der+martha+ivers&qid=1555316578&s=dvd&sprefix=die+seltsame%2Cdvd%2C173&sr=1-1-catcorr


Terror in Block 11  (Riot in Cell Block 11) 1946
Neville Brand, Emile Meyer, Frank Layen, Robert Osterloh. Regie: Don Siegel

alt text

Ein Gefängnis in den fünfziger Jahren: Das Gefängnis ist überfüllt, die Haftbedingungen sind mehr als schlecht und die Regierung sieht kein Handlungsbedarf die Zustände zu verbessern. Im Zellenblock 11 kommt es schliesslich eines Abends zur Revolte, als es drei Häftlingen gelingt die Wärter zu überwältigen und als Geiseln zu nehmen. Der Anführer der Revolte James Dunne fordert über den Gefängnisdirektor ein Interview mit der Presse um auf die Missstände im Knast aufmerksam zu machen und somit Druck auf die Politik auszuüben endlich etwas zu unternehmen. Falls dem nicht geschieht droht er die Geiseln umzubringen…

Don Siegel´s Gefängnisfilm fußt auf Ereignisse in amerikanischen Gefängnissen in denen es zu Beginn der 1950er Jahre verstärkt zu Revolten kam. Die Anstalten wurden zunehmends vernachlässigt, die Insassen unmenschlich behandelt und die Politik sah sich nicht gezwungen zu handeln. Gedreht wurde in einem verlassen Trackt des Folsom Prison, was die beklemmende Atmosphäre die sich durch den Film zieht nachhaltig verstärkt. Zudem haftet dem Film ein gewisser dokumentarischer Stil an welchem dem Film noch mehr Autentizität vermittelt. Auch der Umstand das Siegel keine großen Hollywood Stars, sondern feine Charakterdarsteller in den Rollen besetzte - von denen einige sogar von echten ehemaligen Häftlingen gespielt wurden - lässt den Bezug zu den wahren Hintergründen glaubwürdig erscheinen. "Riot in Cell Block 11" ist ein spannender Krimi mit sehr interessantem Thema und Siegel vermeidet es die Geschichte eindimensional, oder gar pathetisch dem Zuschauer zu übermitteln.

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/85891-terror_in_block_11_1954


Soviel für heute und ich hoffe ich konnte wieder etwas Interesse an solch "alten" Perlen wecken :-)
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Zeit!

Bis demnächst.
Headhunter666

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geschrieben am 16.04.2019 um 20:06
#1
Hieraus hab ich nur "Die Spur des Fremden" in der Sammlung, den aber auch noch nicht gesehen. MARTHA IVERS würde ich wohl wegen Barbara Stanwyck schauen und RIOT IN CELL BLOCK 11 klingt thematisch ziemlich spannend. Auf begrenzten Raum sowas anzuzetteln bietet bestimmt guten Suspense.

Hab Dank für einen weiteren Einblick ins schattige Genre.

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