Schwarz, schwärzer - FILM NOIR #4

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9. Mai 2018

Hallo verehrte Filmfreunde,

Auf geht´s zu einem weiteren Rundflug über die Schwarze Serie und diesmal übertreten wir sogar die Grenze des übernatürlichen. Gute Unterhaltung :-)

 

23 Schritte zum Abgrund (23 paces to Baker Street) 1956

Van Johnson, Vera Miles, Cecil Parker. Regie: Henry Hathaway

 

alt textDer amerikanische Dramatiker Phillip Hannon zieht wegen seines neuen Theaterstücks nach London. Durch einen Unfall ist er allerdings erblindet und deswegen ziemlich pessimistisch. Durch seine schlechte Laune behandelt er seine Mitmenschen nicht gerade feinfühlig. Eines Abends geht er in eine Kneipe unweit seines Appartements und hört zufällig ein Gespräch zweier Fremden mit. Allem Anschein nach  planen die beiden ein Verbrechen und Hannon versucht darauf hin den Vorfall bei der Polizei zu melden. Diese nimmt den Dramatiker allerdings nicht sehr ernst und somit versucht Hannon mithilfe seines Dieners Bob und seiner Freundin Jean die Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Fremden ausfindig zu machen bevor sie ihr Verbrechen ausüben können...

Ein klassischer Film Noir in Technicolor!  Funktioniert prima :-) Es ist ziemlich interessant wie in dieser Geschichte ein erblindeter Mann, der zufällig zwei Fremde belauscht, nur anhand derer Stimmen zu entlarven und ein baldiges Verbrechen zu verhindern versucht. Auf einem Tonbandgerät in seinem Appartement gibt er fast den genauen Wortlaut und Dialoge dieses Gespächs auf und entdeckt immer mehr Hinweise und Details. Zugegebenermaßen entstehen hier einige kleine Logiklöcher, dennoch wirkt die anstehende Schnitzeljagd durchaus kurzweilig und spannend. Etwas schwer fällt es mir mit dem Hauptprotagonisten Sympathie zu empfinden, denn durch seine nihilistische Art tracktiert er die zwei wohl engsten Freunde die er hat, wobei der Alkohol wohl insgeheim sein bester Freund ist... Seine Verehrerin die er stets abweist, behandelt er nicht gerade zimperlich. Bewundernswert das eben jene nicht aufgibt und weiter um seine Zuneigung kämpft. Diese kleine Rahmenhandlung des Films integriert sich herrlich in die mittlerweile zugespitze Lage, denn die Verbrecher sind auf Philip Hannon aufmerksam geworden. Der Film ist nicht nur sehr schön ausgestattet , sondern beeindruckt durch eine herrliche Bildsprache und beeindruckenden Kameraaufnahmen. London bei Nebel hat eben immer was :-) "23 paces to Baker Street" ist ein schöner, atmosphärischer Krimi  mit tollen Darstellern und der ein oder anderen interessanten Wendung. Hier darf man definitiv einen Blick riskieren.

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/23-schritte-zum-abgrund-23-paces-to-baker-street-blu-ray-disc

 


Die Dämonischen (Invasion Of The Body Snatchers) 1956

Kevin McCarthy, Dana Wynter, Larry Gates. Regie: Don Siegel

 

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Santa Maria ist eine beschauliche, gemütliche Kleinstadt in Kalifornien. Der Arzt Dr. Miles J. Bennell unterhält eine kleine Praxis und freut sich zudem das seine einstige Jugendliebe Becky wieder in die die Stadt gezogen ist. Allerdings häufen sich zunehmend merkwürdige Begebenheiten in der Stadt. Menschen erkennen ihre Anghehörigen nicht wieder und behaupten sie sind ganz und gar gefühlos geworden und ohne Empfindungsvermögen. Als sich die Vorfälle häufen stellen Bennell und seine Freundin weitere Nachforschungen an. Als sie das Ausmass der unheimlichen Ereignisse erkennen ist es aber schon fast zu spät....

Nun, ich kann mir denken das sich gerade der ein- oder andere Leser sich massiv die Hirnwindungen massiert und sich fragt was dieser Film hier im Noir-Blog zu suchen hat.. "Invasion of the Body Snatchers" kann man durchaus als Gesamtpaket verschiedener Bausteine des Film Noir, Science Fiction und ein wenig Horror betrachten. Die Science Fiction Elemente werden hier aber nur aufs minimalste reduziert. Keine fliegenden Raumschiffe, oder zweiköpfige Aliens sind zu sehen, oder von zentraler Bedeutung. Das exate Nachbilden und unterwandern der Menschen durch die außerirdischen Wesen geschieht fast unsichtbar und unbemerkt. Selbst das eigentliche Opfer spürt nicht was vor sich geht. Nur das empfinden menschlicher Gefühle wird außer acht gelassen und dient dazu eine Roboterartige Gesellschaft - wenn man das noch als Gesellschaft nennen kann - ohne jegliche Emotionen aufzubauen. Sofern ist alles nicht das was es scheint und in diesem Fall betrifft es vordergründlich nunmal den Menschen. Die dichte Atmosphäre und die zunehmende Spannung sind exzellent inszeniert. Der visuelle Schwarz/Weiss Stil ist vor allem in dunklen Szenen sehr kontrastreich und bietet hervorragendes Noir-Wohlfühl Feeling. Don Siegel hat zudem Filme wie "Terror in Block 11", oder "Die rote Schlinge" tolle Vetreter des klassischen Film Noir hervorgebracht. Kevin McCarthy und Dana Wynter waren zwar nicht die erste Wahl für die Hauptdarsteller gewesen, bestechen aber durch eine tolle Präsenz und Darbietung. Kleine, feine Info obendrein: Sam Peckinpah ist in einer kleinen Nebenrolle zu sehen :-)

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/die-daemonischen-blu-ray-disc

 


Frau ohne Gewissen (Double Indemnity) 1944

Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson. Regie: Billy Wilder

 

alt textDer Versicherungsvetreter Walter Neff ist unterwegs zu einem Kunden um dessen Automobilversicherung zu verlängern. Dieser ist jedoch nicht da, stattessen wird Neff von Phyllis Dietrichson - der Gattin des Kunden empfangen. Sofort ist Neff Feuer und Flamme für die Dame und möchte sie näher kennenlernen. Phyllis nutzt sofort die Gunst der Stunde und wickelt Neff um den Finger bis sie ihn dazu bringt zusammen mit ihr ein Mordkomplott für ihren Ehemann auszuhecken. Der Tod des Ehemanns soll wie ein Unfall aussehen, erst dann wird die Lebensversicherung an die hinterbliebene, "trauernde" Witwe ausbezahlt. Blind vor Liebe willigt Neff ein, ohne aber die Rechnung ohne seines Arbeitskollegen Barton Keyes zu machen. Dieser wittert nach dem Unfalltod einen Mord und stellt immer mehr Nachforschungen an...

Tja, da haben wir´s wieder: Und ewig lockt die holde Maid und das männliche Denkvermögen schickt sich an in niedere Regionen südlich der grauen Hirnmasse die sich zwischen den Ohren befindet zu entschwinden. An dieser Stelle sollte das auch nicht weiter ausgeführt werden :-) Billy Wilder´s wegweisender Krimi beeinhaltet alles was den klassischen Film Noir ausmacht und treibt diese Merkmale bis zur Spitze. Fred MacMurray verkörpert den geborenen Antihelden in Perfektion, wird zum Spielball einer abgebrühten Intrigantin und macht eigentlich im Laufe der Geschichte alles falsch was man falsch machen kann. Barbara Stanwyck in ihrer kühlen Darstellung als Femme Fatale ist einfach himmlisch, gleichsam undurchsichtig und äußerst manipulierend. Das morbide Mordkomplott wird geschickt eingefädelt und die Ereignisse werden in Rückblenden erzählt. Als Neff erkennt das sich die Schlinge immer enger um seine Hals zieht, legt er über ein Diktiergerät ein Geständnis ab. Seine Stimme aus dem Off gibt dem Film den letzten und reinsten Schliff. Zwischendurch ist nicht klar welche genauen Absichten die einzelnen Figuren verfolgen, umso überraschender ereilt einem die ein-oder andere Wendung. Die Spannung steigert sich dann bis zum fulminaten, schicksalshaften Ende, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Beeindruckend ist zudem Edward G. Robinson´s Performance als Versicherungsagent der immer größere detektivische Eigenschaften entwickelt. "Double Indemnity" ist zweifellos ein sehr großer und wegweisender Vetreter des klasssichen Film Noir!

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/frau-ohne-gewissen-blu-ray-disc

 


Der Fremde im Zug (Strangers on a Train) 1951

Farley Granger, Robert Walker, Ruth Roman. Regie Alfred Hitchcock

 

alt textDer Tennisprofi Guy Haines ist mit dem Zug unterwegs und lernt während der Fahrt den aufdringlichen Bruno Antony kennen. Dieser erkennt den Sportler und verwickelt ihn gleich in ein Gespräch in dessen Verlauf er eine These über den perfekten Mord aufstellt. Er schlägt vor Haine´s Ehefrau - von der dieser sich scheiden lassen möchte - umzubringen. Im Gegenzug soll Haines´ Bruno Antony´s  verhassten Vater umbringen. Da in diesem Fall Opfer und Täter keinen Bezug zueinander haben, würde die Polizei zwecks Motivsuche auf ewig im dunkeln tappen. Nichtsahnend und eher belustigt verabschiedet sich Haines an der nächsten Station. Für Antony hingegen ist das kein Spass und bringt kurz darauf die Ehefrau des Tennisprofis um. Nun verlangt er von Guy Haines seinen Vater umzubringen. Da Guy mittlerweile zu den Verdächtigen zählt, versucht er mit seiner Geliebten Anne, die von der Unschuld ihres Lovers überzeugt ist, Bruno des Verbrechens zu überführen...

Sommer, Sonne, Sonnenschein.... Hier wird das Grauen wieder in eine idyllische Kleinstadt getragen und nicht nur das: Schauplatz des Greuels ist gar ein Vergnügungspark in dem die Menschen Spass haben und den Alltag vergessen wollen. Robert Walker brilliert in der Rolle des wahnsinnigen und skrupellosen Killers dem jedes Mittel recht ist um an sein Ziel zu kommen. Somit stellt Walker mit seiner Darbietung den Rest des ebenfalls toll agierenden Cast in den Schatten. Leider verstarb Walker kurze Zeit später aufgrund seiner Alkoholkrankeit. Hitchcock versteht es auch hier eine Geschichte sukszessiv mit Spannung aufzubauen. Das Finale hat es in sich und geizt nicht mit dramaturgischen Einlagen. Die Bildsprache driftet gar in Ästhetik und beeinhaltet tolle Kamerafahrten und interessante Perspektiven - vor allem der Mord als Spiegelung im Brillenglas - sehr wirkungsvoll und genial. Hitchcock´s fein platzierter schwarzer Humor ist herrlich und ergänzt die sowieso schon spitzfindigen Dialoge. "Strangers on a Train" ist für mich einer der besten Hitchcock Filme überhaupt und beweisst das der Altmeister weit vor seinen kommerziellen Erfolgen wenige Jahre später spannungsgeladene Filme aus den Ärmeln schüttelte.

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/der-fremde-im-zug-blu-ray-disc

 


Der Unheimliche Gast ( The Uninvited) 1944

Ray Milland, Ruth Hussey, Gail Russel. Regie: Lewis Allen

 

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Die beiden Geschwister Roderick und Pamela Fitzgerald machen Urlaub im beschaulichen Cornwall. An ihrem letzten Ferientag entdecken sie ein verlassenes Haus an der Küste. Sofort verlieben sie sich quasi in das Haus das die beiden an ihre Kindheit erinnert. Kurzerhand entscheiden sie sich ihre letzten Ersparnisse zusammen zu kratzen und das Haus zu kaufen. Der Eigentümer Commander Beech, der mit seiner Enkelin Stella nahe des Städchens lebt willigt ein und verkauft dem Geschwisterpaar das Haus zu einem ungewöhnlich niedrigen Preis. Gründe hierfür sind unter anderem das Vormieter ungewöhnliche Ereignisse in dem Haus erlebt hatten. Vergnügt und glückselig beziehen Roderick und Pamela kurz darauf das Haus und halten nichts von den Gerüchten die sich um das Anwesen ranken. Bald darauf sollten sie eines besseren belehrt werden, den in dem Haus geht es alles andere als mit rechten Dingen zu....

"The Uninvited" ist für mich schon ein besonderer Film. Gepaart mit Elementen des klassischen Film Noir und leckeren Zutaten eines Gothic Gruselfilms enstand hier ein äußerst sehenswerter Hybrid, der die Grenzen des Film Noir ein wenig sprengt und auslotet. Eine wohlige Schauermär, welche man sich gern am Lagerfeuer erzählt, bildet den Rahmen dieses Films und wird von wirklich tollen Darstellern getragen. Plötzliche Kälteeinbrüche in einzelnen Räumen, Haustiere die einzelne Hausabschnitte meiden, unheimliche Geräusche aus dem Keller, wie von Geisterhand sich schließende Türen etc... Es ist so herrlich :-) Dennoch liegt das Augenmerk auch hier auf gepeinigte Seelen und zwischenmenschliche Zerwürfnisse. Im Mittelpunkt dessen befindet sich die 20 jährige Stella, welche seit ihrer Kindheit unter den plötzlichen Tod ihrer Mutter leidet. Jene Mutter starb einst auf dem Anwesen unter mysteriösen Umständen und seitdem zieht eine unheimliche Macht die junge Stella immer wieder zu dem Haus hin. Grossväterchen ist deswegen ziemlich bestürzt und versucht stets sein einzigstes Enkelkind mit tiefster Inbrunst von dem Haus fernzuhalten. Die Inszenierung dieses Films ist zum niederknien und anbetungswürdig: Das Spiel von Licht und Schatten, das Setting und wohl plazierte Gänsehautmomente erzeugen hier eine hammermäßige, wunderbare Atmosphäre. Selbst die ein- oder andere überraschende Wendung trägt super zu diesem Filmerlebnis bei. Natürlich ist dies kein Horrorfilm und Splatterfreunde sollten einen großen Bogen um diese Perle machen, aber Freunde des klassischen Films im Allgemeinen und des Gruselfilms können dennoch auf ihre Kosten kommen. Vielleicht ringt er bei manchen gar ein müdes Lächeln ab, aber meiner Meinung nach unterhält er immer noch prima und genauso gut wie so manch visuell überladene Produktion heutiger Tage. Ich jedenfalls liebe diesen Film :-)

Bildquelle: https://bluray-disc.de/blu-ray-filme/der-unheimliche-gast-film-noir-collection-blu-ray-disc

 


Soviel für heute und keine Bange, da lauern noch einige Perlen in der Wartestellung :-)

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Zeit!

Bis demnächst.

Headhunter666

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geschrieben am 17.05.2018 um 05:44
#4
Freut mich Ürün, das dir die Blogreihe so gut gefällt :-)
Vielen Dank für das Lob, das ließt man gerne :-)

Mit der Wunschliste geht es mir aber genauso, die wächst und wächst.......
geschrieben am 16.05.2018 um 21:49
#3
Herzlichen Dank für diesen SUPER Blog!! Sprachlich und inhaltlich top! Geschrieben wie ein echter Cineast; denn, du bist ein echter Cineast!!

Es sind wieder sehr schöne Tipps dabei, oh mann, dadurch wird meine Wunschliste auch immer grösser! :) ..

Danke noch mal, einfach GENIAL!!
geschrieben am 12.05.2018 um 15:19
#2
"Der unheimliche Gast" wird dir sicherlich gefallen. Ein wirklich toller Filmklassiker.

Na ja, die Charakterabstriche bei "23 Schritte zum Abgrund" kann man vielleicht sogar etwas nachvollziehen. Wer erblindet schon gerne. Interessanter ist vielmehr das er die Liebe seines Lebens immer wieder von sich weißt, die Dame aber dennoch nicht aufgibt. Ihr quasi sein Leiden nicht im Weg ist. Er ist nunmal durch sein Verhalten nunmehr der geborene Antiheld und es fällt zumindest mir schwer große Sympathie mit dem Protagonisten zu haben.... Ist aber auch alles Auslegungssache :-)

Wie immer danke ich dir für deinen tollen Kommentar :-)
geschrieben am 10.05.2018 um 14:11
#1
Booaaaaa, bei "Der unheimliche Gast" läufts mir gleich heiß-kalt den Rücken runter - den muss ich haben!!!

"Der Fremde im Zug" und "Die Dämonischen" hab ich gesehen, beide klasse, wobei das Body Snatchers Original ein wahres Highlight darstellt. Wunderbarer Old-School Fictioner und eben auch Noir durchzogen.

"Frau ohne Gewissen" fällt wohl eindeutig in die Sparte Kult und "23 Schritte zum Abgrund" klingt trotz scheinbarer Charakterabstriche dennoch sehenswert!

Wieder mal ein wunderbarer Noir-Blog, feinsinnig und stimmungsvoll rübergebracht. Großen DANK! :)

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