bewertet am 09.11.2025 um 11:28
#1
Das amerikanische Remake von Speak No Evil orientiert sich über weite Strecken sehr eng am dänischen Original von 2022, dass mit seinen gesellschaftskritischen Ansätzen und dem kompromisslosen Ende damals für viel Gesprächsstoff sorgte. Technisch und inszenatorisch ist die Neuverfilmung jedoch klar überlegen, die Kameraarbeit, der Sound und die Atmosphäre sind auf höchstem Niveau. Schauspielerisch bewegt sich der Film ebenfalls auf einer ganz anderen Ebene, allen voran James McAvoy, der mit einer intensiven und beängstigenden Performance das absolute Highlight darstellt. Dennoch bleiben einige Schwächen des Originals bestehen, darunter auch ein grosses Logikloch, dass man hier eigentlich hätte ausbessern können. Besonders enttäuschend ist die Entscheidung, das Ende zu verändern und dadurch den radikalen, schockierenden Schluss des Originals abzuschwächen. Das neue Finale wirkt deutlich konventioneller und verliert so die Wucht und Konsequenz, die den dänischen Film so besonders machten. Man hat fast den Eindruck, dass Hollywood hier auf Nummer sicher gehen wollte, um das Publikum nicht zu sehr zu verstören. Für Zuschauer, die das Original nicht kennen, funktioniert der Film jedoch hervorragend als spannender, düsterer Psychothriller. Die Inszenierung ist atmosphärisch dicht, der Spannungsaufbau präzise und die Figuren glaubwürdig gezeichnet. Trotz kleinerer Längen bleibt der Film durchgehend fesselnd und verstörend zugleich. Unter dem Strich ist Speak No Evil ein stark gespielter und handwerklich exzellenter Horrorfilm, dem aber etwas der Mut und die Konsequenz seines dänischen Vorbilds fehlen.
Player:
Panasonic DP-UB824EGK
Darstellung:
LG OLED77CX
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