bewertet am 30.12.2025 um 17:09
#2
Paris, Texas beginnt für mich zunächst mit der Erwartung, etwas in Richtung Rain Man zu sehen, da Travis wirkt, als leide er an Autismus. Diese Annahme erweist sich jedoch schnell als falsch, denn der Film schlägt eine ganz andere, deutlich experimentellere Richtung ein. Stattdessen entwickelt sich ein ruhiges, introspektives Roadmovie, dass mehr über innere Leere als über äussere Handlung erzählt. Im Zentrum steht klar die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Travis und Hunter, die extrem langsam, aber dafür umso berührender aufgebaut wird. Wim Wenders nimmt sich viel Zeit, um Emotionen wirken zu lassen, was Geduld vom Zuschauer verlangt. Visuell ist der Film herausragend, mit eindrucksvollen Bildern des amerikanischen Südwestens, die fast schon ikonisch sind. Der minimalistische Score unterstreicht die melancholische Stimmung perfekt. Besonders die Dialoge stechen hervor, da sie oft reduziert, aber emotional sehr präzise geschrieben sind. Der Cast, allen voran Harry Dean Stanton, transportiert diese Dialoge äusserst glaubwürdig. Für meinen Geschmack ist der Film mit rund 150 Minuten allerdings deutlich zu lang geraten. Einige Passagen hätten gestrafft werden können, ohne die Wirkung zu verlieren. Dennoch bekommt man, wenn man sich auf diesen Slow Burner einlässt und in der richtigen Stimmung ist, einen aussergewöhnlich schönen und berührenden Film geboten.
Player:
Panasonic DP-UB824EGK
Darstellung:
LG OLED77CX
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