Während andere Regisseure Filme am laufenden Band abliefern und somit zu mehr oder weniger großer Bekanntheit gelangen, lieferte der begeisterte Filmfan, Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino bis heute gerade einmal Neun Filme ab und landete mit jedem einzelnen einen Treffer. Bereits sein Erstlingswerk „Reservoir Dogs“ war eine cineastische Meisterleistung, die mit einfachsten Mitteln realisiert und durch Tarantinos unverwechselbaren Inszenierungsstil gleich zu einem Kultfilm avancierte. Nun bringt Rechteinhaber Studiocanal den Film im Rahmen ihres Arthouse-Labels im Vertrieb von Plaion Pictures als limitierte Steelbook-Version in den Handel. Neu dabei ist, dass der Film nicht nur auf Blu-ray Disc, sondern auch erstmals in ultrahochauflösender 4k-UHD-Qualität vorliegt. Was der Film zu bieten hat und wie sich die Discs aus technischer Sicht schlagen, klärt die nun folgende Rezension.
Story
Sechs Profigangster planen den vermeintlich "perfekten" Coup - sie wollen einen Juwelenraub durchführen. Der Raub misslingt jedoch und endet in einem Massaker. Zwei der Gangster sterben, einer wird schwer verletzt und alle Überlebenden versuchen, sich eigens zu einem vereinbarten Treffpunkt durchzuschlagen. Offensichtlich sind sie verraten worden, kennen sich aber jeweils nur unter ihren Decknamen. Voller Misstrauen und Zweifel diskutieren die Gangster, denn einer unter ihnen muss ein Maulwurf sein, nur wer...?
Aufgrund der inhaltlichen Rahmenbedingungen könnte man hinter Reservoir Dogs einen beinharten Action-Thriller vermuten. Doch weit gefehlt. Der Überfall auf den Juwelier wird vollständig ausgeklammert, keine Szene zeigt dem Zuschauer, was tatsächlich falsch gelaufen ist. Einziges tatsächliches Action-Element ist ein kurzer Shoot-Out zwischen Mr. Pink und einigen Polizisten. Stattdessen entwirft Tarantino ein beeindruckendes Kammerspiel, in dem die einzelnen Darsteller exzellentes Charakterkino abliefern. In der Tat könnte man sich die Handlung gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Großartig ist auch der clevere Einsatz von Gewalt. Diese wird nie wirklich explizit gezeigt. Dafür verpflanzt Tarantino diese umso wirkungsvoller in das Vorstellungsvermögen seines Publikums. Auch wenn der Film zu recht erst ab 18 Jahren freigegeben ist, bleibt er dennoch meilenweit von heutigen Torture Porn-Orgien entfernt. Reservoir Dogs ist ein echter Meilenstein des Erzählkinos, der Tarantino konsequenterweise einige Türen öffnete.
Doch was macht die Filme von Quentin Tarantino so einzigartig? Nun, da gibt es sicherlich viele Faktoren, wie zum Beispiel die nichtlineare Erzählstruktur, die in beinahe allen Tarantino-Filmen zum Einsatz kam und auch bei dem hier vorliegenden Erstling zu finden ist. Bereits vor „Reservoir Dogs“ schrieb Tarantino bemerkenswert gute Drehbücher, doch war er mit der filmischen Aufarbeitung („True Romance“ und „Natural Born Killers“) häufig nicht so ganz zufrieden, und gründete letztendlich gemeinsam mit Lawrence Bender die Produktionsfirma „A Band Apart“ um bei „Reservoir Dogs“ komplett freie Hand zu haben. Zum Glück, denn ansonsten hätte der Film nicht so ausgesehen wie er es heute tut. Wie es Tarantino vorschwebte erzählt der Film seine Geschichte nicht so, wie sie stattgefunden hat, sondern beginnt mehr oder weniger mittendrin, fügt dann nach und nach Puzzleteilchen aus der Vergangenheit und der Zukunft hinzu, wodurch sich die Geschichte erst langsam entfaltet. Der Zuschauer erlebt so diverse „Aha“-Momente, was der Spannung sehr zuträglich ist. Ein weiteres Hauptmerkmal der Tarantino-Filme sind auch die teilweise sehr banalen Dialoge, die in keinem direkten Zusammenhang mit der Handlung stehen, aber so authentisch und interessant ausfallen, dass man einfach zuhören und am liebsten mitdiskutieren würde. Gerade in dieser Hinsicht sind die Tarantino-Filme ein absolutes Highlight, und es gibt nur wenige Regisseure, die triviale Themen so brillant auf Papier bringen können.
Und auch die Auswahl der Darsteller erwies sich als ein echter Glücksgriff, wobei dies ebenfalls auf das Konto Tarantinos geht, denn dieser hat einfach ein Händchen für seine Stars, scheint jeden Film und jede Serie und deren Darsteller zu kennen, und stellt sich den Cast so zusammen, wie es Joe Cabot bei seinem Juwelenraub-Team tut. Der einzige echte Superstar, der hier in einer großen Rolle zu sehen war, war Harvey Keitel, der den Film auch finanziell unterstützte und den Film zu einem Großteil durch seine Ausstrahlung und Schauspielkunst trägt. Ebenso brillant ist ganz klar Michael Madsen als Mr. Blonde, der, ebenso wie Keitel, Steve Buscemi und Tim Roth auch in späteren Filmen immer wieder vor Tarantions Kamera stand. Seine mehr oder weniger improvisierte Tanzeinlage gehört sicherlich zu den erinnerungsträchtigsten Szenen des Films, wobei es zahlreiche Momente gibt, die sich in das kollektive Gedächtnis der Fans eingebrannt haben. Kurz gesagt: „Reservoir Dogs“ ist ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann und jedes Mal aufs Neue begeistert sein wird.
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Bildqualität
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Bild 4k UHD
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Tonqualität
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Ausstattung
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- Geschnittene Szenen (12:53 Minuten)
- Doku: „Playing It Fast and Loose“ (7:06 Minuten)
- Profiling the Reservoir Dogs (15:44 Minuten)
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Fazit
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Die 4k-UHD Auswertung des Kultfilms von Quentin Tarantino kann sich absolut sehen lassen. Hier hat sich das Warten definitiv gelohnt. Besser sahen die „Wilden Hunde“ nie aus und auch akustisch gibt es nicht viel zu beanstanden. Das Bonusmaterial ist leider ein wenig mager ausgefallen, aber Fans des Films haben vermutlich ohnehin bereits die gut ausgestatteten vorherigen Veröffentlichungen im Schrank stehen, so dass sich eine Verdopplung der bereits bekannten Boni nur bedingt rechnen würde.
Der Film selbst ist ein Cineastisches Meisterwerk. Bereits mit seinem Erstling zeigte Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino sein handwerkliches und erzählerisches Können. Großartige Darsteller, geniale Dialoge und eine bis dato relativ unbekannte Erzählstruktur machen „Reservoir Dogs“ zu einem Film, den man einfach gesehen haben muss.
(Michael Speier)
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